Angst / Therapie / Tod / Trauer

Es hat sogar einen Namen

Gestern war ich auf einer Beerdigung. Der Abschied des verunglückten Familienmitglieds stand an. Toni war ganz angetan.

Bei einer Beerdigung ist man dem Tod als Lebender so nah wie selten. Noch näher war ich dem Tod nur, als ich bei meinen Papa saß, als er starb.

Da ich nicht mehr in der Tagesklinik bin und der nächste ambulante Termin erst Ende Oktober ist, musste (und wollte) ich allein mit der Situation umgehen. Ich frag mich auch immer noch, wie man mir diese Angst nehmen will.

Mir war klar, ich muss auf die Beerdigung. Meine Schwester und mein Mann überließen zwar mir die Entscheidung, doch mein Therapeut hatte eine klare Meinung dazu. Durchziehen!

Die ganzen letzten Wochen bereitete Toni mir Albträume. Es ging immer um Abschied, Unfall, Tod und Sterben. Mich machte und macht das richtig fertig. In allem was ich tue, kommt mir der Gedanke an die Vergänglichkeit.

Ich begann mich belesen zu machen. Ich wollte mir irgendwie selbst helfen und stieß auf den Begriff Thanatophobie. Das leitet sich vom griechischen Thanatos für Tod ab.

Meine Angst hat also einen Namen. Thanatophobie ist also die Phobie vor dem Tod und dem Sterben, mit allem was dazugehört. Man hat Angst vor dem nicht mehr Sein, vor dem nicht Greif- und Planbaren, vor dem Ungewissen. Und diese Angst kann ausarten und bis zu Panikattacken führen. Es beeinflusst das Leben beträchtlich, weil alles eine potentielle Gefahr ist.

Es ist also gar nicht so selten. Und so kann ich zumindest verstehen, warum ich Angst beim Autofahren habe, warum die Angst im Dunkeln kommt und warum das Wort Tod in meinen Kopf kommt, wenn ich ältere Menschen sehe. Und auch, warum ich Angst vor dem Friedhof (egal welcher, es ist der Ort an sich) und vor Beerdigungen habe. Und es erklärt, warum mir die Familientragödie so zusetzt.

Ich verstehe wenigstens jetzt die Angst. In dem Artikel, den ich gefunden habe, steht ganz klar, dass man sich in einer Therapie dieser Angst stellen sollte, Vermeidung ist nicht die beste Methode.

Gestern habe ich die erste Schlacht erfolgreich geschlagen. Ich habe mich der Angst bei der Beerdigung gestellt. Ich bin nicht davongelaufen. Ich habe nicht gekniffen.

Jetzt werde ich den Krieg angehen. Mit Hilfe schaffe ich das. Ich will das schaffen. Im Moment macht mich diese ständige Angst und das ständige darüber Nachdenken richtig fertig. Schlaflos, Albträume, Verdauungsstörungen.

Ich will das schaffen, denn ich hab nur das eine Leben…. Und das will ich nicht in ständiger Angst verbringen.

Author

claudia.schroeder@meine-mail.de

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1. November 2020