Gedanken / Panikattacke / Therapie / Toni

Vom Spielen und Kuchenbacken

Jetzt bin ich also in der Tagesklinik für Psychiatrie. Die Klinik, von der mein Therapeut und auch meine Ärztin denken, dass sie mir mit Toni hilft und mich weiterbringt.

Erst einmal muss ich sagen, dass da alle sehr nett sind. Ich wurde nett empfangen.

Die Woche begann sehr holprig. Erst hieß es, wir machen einen Abstrich und rufen sie dann Montag an, ob der Abstrich Corona negativ ist und ob sie kommen können. Dann hieß es am Tag des Abstrichs, ach, kommen sie ruhig Montag früh um viertel nach acht. Und als ich pünktlich um viertel nach acht am Montag da war, wurde ich schräg angesehen und wieder nach Hause geschickt, weil der Abstrich noch nicht zurück war. Ich solle doch bitte auf einen Anruf warten.

Da starte ich gleich mit Kommunikationsproblemen. Doch sie haben sich entschuldigt und alles war gut.

Bisher war das Wochenprogramm, wie drückte es der Franke aus, eher ernüchternd. Es gibt viel Beschäftigungstherapie wie Bilder malen, Waffeln backen, Spaziergänge und noch mehr Bilder malen. Eine Gesprächsgruppe hatte ich auch schon.

Ich verstehe schon, dass sie, neben der eigentlichen Psychotherapie den Patienten auch eine Tagesstruktur geben möchten, was bei Depressionen ja durchaus erforderlich ist. Aber wie mir die bisherigen Erlebnisse bei meiner Panik helfen sollen, das weiß ich noch nicht.

Vielmehr war es die letzten Tage eher schlimmer als besser. Das lag nicht daran, dass ich mich mit fremden Menschen auseinandersetzen musste. Das bekomme ich durchaus hin. Ich bin zwar nicht diejenige, die gleich offen zu allen hinrennt und von sich erzählt, aber ich höre zu, unterhalte mich und spiele mit mir fremden Menschen Gesellschaftsspiele.

Nein, Toni findet die Stille geil, die da herrscht. Beim Malen, bei den Entspannungsübungen, in den langen Pausen, in denen man die Zeit einfach irgendwie rumbringen muss. Die Stille empfinde ich als sehr bedrohlich. Ich spüre meinen Herzschlag, im Magen, im Kopf, in den Ohren, und das macht Panik.

2 größere Attacken hatte ich schon. Die kleinen habe ich gut in den Griff bekommen, bei den zwei großen war ich mir unsichet. Kann ich in der Tagesklinik einfach das machen, was mir sonst in der Situation gut tut? Soll ich mich an den Therapeuten wenden? Was ist richtig, was ist falsch. Und diese Fragen machen mir dann noch mehr Stress.

Ich denke, ich muss den Therapeuten klar machen, dass mir nicht die Struktur in meinem Alltag fehlt, sondern eine gesunde Beziehung mit Toni.

Das werde ich wohl in der nächsten Woche ansprechen. Auch, dass ich gerne den Mittwoch Nachmittag hätte, für meine feste Struktur, der Gesangsunterricht Termin.

Auch wenn das jetzt den Eindruck macht, dass ich mecker. Dem ist nicht so. Ich hinterfrage jediglich den Sinn hinter dem Programm. Schließlich habe ich gelernt, dass ich achtsam mit mir umgehen soll.

Ich gebe der Tagesklinik eine faire Chance, Ehrenwort. Aber mit einer gewissen, vielleicht sogar gesunden Skepsis.

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claudia.schroeder@meine-mail.de

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