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Es geht bergauf! ~ wenn ich es nicht zu vermeiden weiß…

Mucki Knutschkugel ist jetzt da. Mein kleiner roter Flitzer.

Eigentlich genieße ich die neu gewonnene Freiheit sehr. Strecken, die ich sonst mit Bus und Bahn und neuerdings mit Maske gefahren bin, sind jetzt mit dem Aurto viel schneller und freier gefahren. Am Donnerstag bin ich das erste Mal mit dem Auto zur Psychotherapie gefahren. Allein.

Gut, werdet ihr denken, das ist ja noch keine Leistung.

Und ich muss euch da widersprechen. Ich möchte gerne Fanfaren und Konfetti, wenn ich bitten darf.
Bisher fuhr mein Mann immer als Beifahrer mit mir mit und gab mir meine nötige Sicherheit. Ich hatte das Gefühl, dass ich zur Not aus dem Auto aussteigen könnte und ihm das Fahren überlassen würde.

So aber musste ich es voll durchziehen.

Da ich aber schon wusste, dass mir das Stress machen würde, habe ich „trainiert“. Ich bin den Sonntag vorher schon einmal, mit meinem Mann, dorthin gefahren. Bin ins Parkhaus und habe das Einparken geübt. Ich brauchte einfach dieses Gefühl von: Ach, das geht schon, Toni, schau, ich kann das.

Ich bin Donnerstag, so gut vorbereitet, wie es eben ging, alleine gefahren, ins Parkhaus rein und habe geparkt. Ich bin angekommen. Mit Herzrasen und verschwitzt. Aber ich habe es geschafft und darauf bin ich stolz.

Dennoch ist da so ein Beigeschmack. Toni sitzt immer neben mir und starrt mich an. Und manchmal stellt er die Frage in den Raum: Sag mal, was machst du da eigentlich…? Weißt du, was beim Autofahren alles passieren kann?

Ja, was mache ich da eigentlich? Ich fahre Auto. Etwas, womit ich einen Unfall provozieren kann. Es kann soviel geschehen. Und das geht dann auch alles durch meinen Kopf. Vom kleinen Blechschaden bis hin zu durch die Luft geschleuderten Fahrradfahrern. Nur weil Toni fragt, was ich da eigentlich in dem Auto tu.

Am Schlimmsten jedoch ist die Sachen mit den Bergen…

Am Berg anfahren konnte ich noch nie wirklich gut. Ganz zu Anfang meiner Autofahrkarriere bin ich an einer kleinen Steigung auf einem Parkplatz rückwärts beim Anfahren gerollt und bin auf das hinter mir stehende Auto drauf. Es ist nichts passiert, nich mal Blechschaden, dafür war ich zu langsam, aber ich habe mich tierisch erschrocken.
Dann war da noch die Sache in Helpup. Ich habe meine Schwester damals zu einer Freundin gebracht und musste in dem beschaulichen Ort einen Berg rauf fahren. Ich habe natürlich nicht in einen niedrigeren Gang geschaltet und das Auto abgewürgt. Ich weiß nicht mehr, wie ich es geschafft habe, das Auto dort wieder wegzubekommen. Ich weiß nur noch, dass mir zum Heulen zu Mute war.

Diese Angst vor kleinen Steigungen, macht mir noch immer zu schaffen. Ich vermeinde Strecken, von denen ich weiß, dass die Gefahr besteht, an einem Berg anfahren zu müssen. So bin ich in den letzten Tagen doch den einen oder anderen Umweg gefahren. Auf dem Weg zur Therapie gingen regelrechte Stoßgebete gen Himmel, dass ich bloß nicht an der Kiskerstraße an der Steigung halten muss. Das hat mich ganz schön gestresst, zusätzlich.

Toni saß auf meinem Schoß und lachte mich aus.

Hihi, du wirst Mucki abwürgen, du wirst nach hinten rollen, du wirst zuviel Gas geben und Menschen über den Haufen fahren.

Ich habe versucht, Toni zu ignorieren und bin gefahren.

Ich hoffe, ihr versteht, warum ich Fanfaren und Konfetti erwarte.

Ich habe Toni die Stirn geboten.

Von dem guten Herrn Franke habe ich eine Hausaufgabe bekommen. Eine ungewöhnliche und doch sehr logische Aufgabe. Ich soll den Bergen den Schrecken nehmen und sie nicht vermeiden. Ich soll das Anfahren am Berg üben. Denn einer Angst kann man nur beikommen, wenn man sich ihr stellt. Immer und immer wieder. Vermeidung gilt nicht.

Ich verstehe das Prinzip dahinter. Und ich muss gestehen, dass ich sehr froh bin, dass ich mit so etwas banalem wie dem Autofahren beginne… Mich den Ängsten zu stellen. Alles andere ist wahrscheinlich anstrengender und schlimmer…

Das beginnt Morgen. Mein Mann fährt mit mir zu einer Stelle, die Sonntags nicht befahren ist, wo ich üben kann.

Wenn ich das mit dem Berg, wenn auch mit Blessuren, schaffe, dann kann ich dem, was da noch in Zukunft kommt, bestimmt gelassener entgegenblicken.

Dann geht es wohl endlich „bergauf“ und ich beginne mit dem Anfahren am Berg.

Drückt mit die Daumen und du, Toni. mach Platz.

Author

claudia.schroeder@meine-mail.de

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